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Baubranche im Bergischen Land klagt über hohe Zahlungsausfälle

(Quelle: Rheinische Post, 03.11.2025)

Bergisches Land · Die mittelständischen Unternehmen nehmen die Zahlungsmoral der Kunden unterschiedlich war. Während Industrie und Dienstleister durchaus zufrieden sind, sieht es am Bau anders aus. Dort schlägt die Wirtschaftskrise stärker durch.

Die mittelständischen Unternehmen in der Region der Großstädte Solingen, Remscheid und Leverkusen sind mit der Zahlungsmoral ihrer Kunden durchaus zufrieden. Das ergab eine Umfrage der Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH unter 275 Firmen, die mehr als zehn, höchstens aber 500 Mitarbeiter beschäftigen. Unter dem Strich vergaben sie eine Durchschnittsnote von 2,3. Im Vorjahr hatten die Mittelständler die Note 2,4 gegeben.

Charakteristisch für den bergischen Wirtschaftsraum ist der hohe Anteil sogenannter kleiner Mittelständler. Denn knapp acht von zehn Befragten aus den drei Großstädten sowie den umliegenden Städten Burscheid, Haan, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Leverkusen, Monheim, Radevormwald und Wermelskirchen beschäftigen zwischen zehn und 50 Mitarbeiter. Die Betriebe kommen aus der Industrie, dem Handel, sind Dienstleister oder sind in der Baubranche aktiv.

Die unterschiedlichen Wirtschaftszweige vergeben dabei aber keine einheitlichen Noten. So vergibt die im Bergischen gebeutelte Industrie mit der Durchschnittsnote 2,1 bei der Zahlungsmoral der Kunden die beste Note. Dienstleister und Händler vergeben die Note 2,2. Deutlich unzufriedener mit der Zahlungsweise ihrer Kunden sind die Bauunternehmen (3,1), obwohl sich gerade in diesem Wirtschaftszweig 94 Prozent der Befragten über einen zügigen Rechnungsausgleich innerhalb von 30 Tagen freuen. „Diese Diskrepanz hängt damit zusammen, dass in der Baubranche mehr Zahlungsausfälle als in den anderen Bereichen zu beobachten sind“, sagt Andreas Koch.

Der Geschäftsführer der Crefo Factoring Rhein-Wupper GmbH führt hierbei an, dass sich bei den Bauunternehmen gegenwärtig nur 43 Prozent über Verluste unter 0,1 Prozent des Umsatzes freuen. Aber drei von zehn Befragten müssen Summen über einem Prozent des Umsatzes ausbuchen.

Die Industrie steht da deutlich besser da. Denn 85 Prozent der Befragten Unternehmen liegen hier mit ihren Forderungsverlusten unter 0,1 Prozent vom Umsatz. Es folgen die mittelständischen Dienstleister. 78 Prozent verzeichnen keine oder nur geringe Forderungsausfälle.

Vorteil für den Mittelstand in der Region: Die Höhe der uneinbringlich auszubuchen Beträge ist hier deutlich geringer als beim Mittelstand in der Bundesrepublik insgesamt. Während im Großraum Solingen, Remscheid und Leverkusen knapp 43 Prozent der Unternehmen keine Forderungsverluste (Vorjahr 37,6) verzeichnen, liegt die Quote für das Bundesgebiet lediglich bei 28,9 Prozent (28,2). Gleichwohl: 32 Prozent der Mittelständler in der Region beklagen Forderungsverluste durch Kundeninsolvenzen.

Neben Zahlungsmoral und Forderungsausfällen wurden in der Untersuchung der Crefo Factoring Rhein-Wupper auch die Finanzierung und die Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes unter die Lupe genommen. Positiv hebt Geschäftsführer Andreas Koch hervor, dass die Mittelständler auf mehrere Hausbanken setzen. Der Anteil stieg hier auf 57 Prozent nach 51 Prozent im Vorjahr. Aber 43 Prozent arbeiten lediglich mit einer Bank oder Sparkasse zusammen.

Viele Unternehmen (46,7 Prozent) sind aber auf Geld beziehungsweise Kredite ihrer Banken/Sparkassen angewiesen. Zur Finanzierung von Maschinen, von Grundstücken oder unter anderem des Warenlagers. „Sechs von zehn Befragten empfinden die Kreditaufnahme gegenwärtig als eher leicht, leicht oder sehr leicht“, sagt Andreas Koch. Auf der anderen Seite berichtet der Geschäftsführer von Crefo Facoring Rhein-Wupper aber auch von Betrieben, bei denen die Risikoeinschätzung der Banken sich verändert hat. So berichten 17,2 Prozent der Befragten, es sei schwieriger geworden, an Kredite zu kommen beziehungsweise die Kreditsicherheiten erhöht worden waren.

Größtenteils solide gestaltet sich seit Jahren die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen im Bergischen. 54,2 Prozent der Mittelständler verfügen über eine Eigenkapitaldecke von über 30 Prozent. Im Vorjahr lag der Anteil lediglich bei 45,1 Prozent.

Kurt Ludwigs, Andreas Koch

Kurt Ludwigs und Andreas Koch präsentierten die neuen Entwicklungen im Mittelstand.
(Foto: Uwe Vetter)