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Risiken für Unternehmen steigen

(Quelle: Solinger Tageblatt, 07.11.2023)

Die Zahlungsmoral der Kunden wird in der Region noch überwiegend als zufriedenstellend bewertet. Dafür wirkt sich die spürbare Zunahme der Insolvenzen aus.

Solingen. Die Firmen in der Region sind mit der Zahlungsmoral ihrer Kunden noch einigermaßen zufrieden – allerdings scheinen sich die Risiken zu erhöhen. „Die Sorge unter den kleinen und mittleren Unternehmen wächst. Besonders die Zahl der Mittelständler nimmt zu, die Forderungsverluste aufgrund der Insolvenz ihrer Kunden erleiden“, erklärt Andreas Koch.

Er ist Geschäftsführer der Crefo-Factoring Rhein-Wupper GmbH. Der Dienstleister hat das Zahlungsverhalten und die Finanzierung im Gebiet der Großstädte Remscheid, Solingen und Leverkusen untersucht – die wichtigsten Ergebnisse.

Zahlungsmoral:

„Die ist tendenziell schlechter geworden“, bilanziert Andreas Koch. 13,9 Prozent der teilnehmenden Betriebe bewerteten die Zahlungsmoral ihrer Kunden als „sehr gut“ – vor einem Jahr waren es noch 14,9. Mit „gut“ antworteten 53,2 Prozent (2022: 58,1), „befriedigend“ gaben 21,5 Prozent an (24,3). Als „ausreichend“ schätzt etwa jeder Zehnte die Lage ein, im Herbst 2022 galt das nur für 2,7 Prozent der Befragten. „Ungenügend“ antwortete seinerzeit niemand – in diesem Jahr immerhin 1,3 Prozent.

Insgesamt verschlechterte sich die Durchschnittsnote von 2,1 auf 2,3. Die Zufriedenheit mit der Zahlungsmoral hängt auch von der Branche ab – bei Händlern, Dienstleistern sowie Bau- und baunahen Unternehmen war sie höher als in der Industrie.

Zahlungsziele:

81,8 Prozent der regionalen Mittelständler können ihre Rechnungen binnen 30 Tagen als bezahlt abhaken. Der Wert ist leicht zurückgegangen, dafür stieg der Anteil derjenigen, die bis zu 60 Tage auf ihr Geld warten mussten – von 8,8 auf 13 Prozent. 3,9 Prozent mussten sich bis zu drei Monate gedulden, 1,3 noch länger. „Wenn es mit der Liquidität eng wird, werden Rechnungen verschoben“, nennt Andreas Koch eine mögliche Erklärung für die Entwicklung.

Die Zahlen beziehen sich lediglich auf private und gewerbliche Kunden. Öffentliche Auftraggeber stellen eine Ausnahme dar. Nur sieben von zehn zahlten innerhalb der ersten 30 Tage – weniger als im Vorjahr. Auf Wartezeiten von mehr als zwei Monaten mussten sich 5,4 Prozent der lokalen Mittelständler einstellen, die mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten.

Forderungsausfälle:

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sowie Crefo-Factoring registrieren derzeit „eine deutliche Zunahme der Unternehmensinsolvenzen“. Damit geht ein Anstieg größerer Forderungsausfälle einher. Bei der jüngsten Umfrage gaben 3,8 Prozent der Befragten Forderungsverluste in Höhe von mehr als einem Prozent des Umsatzes an – nahezu eine Verdreifachung verglichen mit dem Herbst 2022. Allerdings musste der Großteil – fast vier Fünftel – weniger als 0,1 Prozent des Umsatzes ausbuchen.

Finanzierung:

46,8 Prozent der Unternehmen nehmen zurzeit mindestens einen Kredit in Anspruch – im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 54,2 Prozent. Das könnte auf eine zurückgehende Investitionsbereitschaft hindeuten. Fast die Hälfte der Betriebe – 44,3 Prozent – arbeitet lediglich mit einer Hausbank zusammen. „Die Kreditaufnahme wird komplizierter“, erläutert Andreas Koch. Für immerhin fast ein Drittel gestaltet sie sich aktuell „eher schwierig“ bis „sehr schwierig“. 85,7 Prozent berichten von gestiegenen Zinsforderungen, 31,9 Prozent von strengeren Vorgaben der Bank hinsichtlich des Eigenkapitals.

Eigenkapital:

Gegenüber dem Herbst 2022 hat sich der Eigenkapitalanteil der Unternehmen in der Region deutlich vergrößert. 52 Prozent weisen eine Quote von mehr als 30 Prozent auf (2022: 42,4), lediglich bei einem knappen Fünftel liegt sie bei unter zehn Prozent (30,5). „Das könnte darauf hindeuten, dass die Firmen vorsichtiger werden“, erklärt Andreas Koch.

Erhebung

Im Oktober haben Creditreform und Crefo-Factoring Mittelständler im Gebiet um Leverkusen, Remscheid und Solingen zu ihrer aktuellen Situation befragt. Beteiligt haben sich 240 Betriebe mit zehn bis 500 Beschäftigten. Neben den genannten Großstädten verteilen sie sich auf Burscheid, Haan, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Monheim, Radevormwald und Wermelskirchen. Immerhin knapp die Hälfte bewertete die aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“ – doch die Prognose fällt negativ aus.

Andreas Koch

„Wenn es mit der Liquidität eng wird, werden Rechnungen verschoben“, sagt Andreas Koch. (Foto: Christian Beier)